Erfahrungsbericht Constanze

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Freiwilligenarbeit in Kapstadt (Constanze, 33)

Einfach mal raus

An einem wunderschönen Tag Mitte März 2011 begann meine kleine Auszeit in Kapstadt. Schon der Start in diese tolle Zeit war gelungen. Nachdem Susanne von First Step Abroad mich reichlich zerknittert nach dem langen Flug am Flughafen abgeholt hatte, saßen wir bei über 30 Grad im Schatten mit einem traumhaften Blick auf den Atlantik und vor uns eiskaltes Savanna Dry – ein Getränk, das ich schon aus einem Namibia Urlaub kannte. Kaum zu glauben, dass ich zwei Tage vorher zu Hause noch snowboarden war. Und reichlich gestresst - aber schon nach wenigen Minuten war der Stress der vergangen Tage vergessen.

Aus reichlich Frust im Job hatte ich die schwierige Entscheidung getroffen, den Job zu kündigen, die Wohnung aufzulösen und in Kapstadt Freiwilligenarbeit zu machen, um einfach mal etwas ganz anderes zu sehen. Nach langer Suche hatte ich First Step Abroad im Internet gefunden. Es waren verschiedene Gründe, die mich schließlich überzeugt hatten, meinen Südafrika Aufenthalt mit FSA zu machen. Mir gefiel, dass ich kein “all-inclusive” Paket für einen Haufen Geld buchte, sondern nur für die Vermittlung einer geeigneten Freiwilligenstelle. Schon die E-Mails, die ich mit Susanne von Deutschland aus austauschte waren sehr herzlich und ich hatte einfach ein gutes Gefühl und nie den Eindruck, die Organisation sei einfach nur auf einen Abschluss aus. Dieses gute Gefühl bestätigte sich vor ort – ich fühlte mich während des gesamten Aufenthalts super betreut. Viele Sorgen, die ich zu Hause hatte (wie wird das wohl, wenn ich ganz allein in Kapstadt bin, finde ich nette Leute, bekomme ich ein tolles Projekt, ist es vielleicht doch gefährlich in Kapstadt) zerschlugen sich vor Ort ganz schnell.

Als wir dann an meinem ersten Tag in Kapstadt bei einem Savanna zusammen saßen, berichtete Susanne ausführlich von meinem Arbeitsplatz – sie hatte die Organisation extra besucht, um sich persönlich einen Eindruck zu verschaffen. Am ersten Arbeitstag würde sie mich begleiten und mir auch erklären, wie ich mit den Minibustaxis zur Arbeit käme. Sie bot mir Unterstützung bei der Suche nach einer Unterkunft an und ich bekam eine südafrikanische SIM Karte und eine Infomappe mit Telefonnummern, Tipps und Tricks.

Vor meinem ersten Arbeitstag hatte ich aber erst einmal ein freies Wochenende vor mir. Ich hatte mir ein Hostel in der Long Street gebucht (in den Reviews hieß es, man könne nie vor 4 Uhr schlafen, weil die ganze Nacht gefeiert würde – das war genau was ich wollte!). Im Blue Mountain Backpackers gefiel es mir so gut, dass ich die ersten zwei Wochen dort blieb. Die ersten Tage war ich jeden Abend auf der Long Street, der Partymeile Kapstadts unterwegs, lernte schnell nette Leute kennen, erkundete Stadt, Strände und machte einen Ausflug zu den Pinguinen am Boulders Beach und ans Kap.

Nach zwei Wochen wollte ich dann aber doch aus dem Backpackers ausziehen und hatte sowohl von Susanne als auch von Leuten aus dem Hostel Telefonnummern von Leuten, die WG Zimmer vermieten. Ich zog schließlich in eine WG in der Nähe des Garden Centers, in der ich das Haus mit einer Südafrikanerin, einem Schweizer und vielen deutschen Mädels teilte. Alles nette Leute, mit denen ich hin und wieder auch was unternahm.

An meinem ersten Arbeitstag begleitete mich Susanne von FSA, wie versprochen. Das Projekt, das sie für mich gefunden hat kümmert sich u.a. um junge Erwachsene aus Townships, die seit ihrer Volljährigkeit nicht mehr im Kinderheim wohnen dürfen, meist keinen Job haben. Die Sozialarbeiter des Projektes versuchen diese jungen Leute in Workshops zu coachen, ihnen Unterkünfte zu vermitteln und sind Ansprechpartner für alle Lebenslagen für sie. Ich wollte v.a. im Büro mithelfen, da ich aufgrund meiner Berufserfahrung dort am meisten unterstützen konnte. In den kommenden Wochen war ich die “Bürohilfskraft” der Sozialarbeiter, schrieb Emails, half bei Charity Projekten mit und besuchte auch immer wieder Workshops mit den Jungs. Sehr überrascht war ich über die Offenheit und Herzlichkeit mit der mir die Leute begegneten. Natürlich ist ihnen klar, dass ich als Europäerin ein sehr privilegiertes Leben habe, während sie kaum eine Perspektive sehen, kein Geld haben und orientierungslos durchs Leben gehen. Und trotzdem nahmen sie mich sehr herzlich auf. Die Schicksale der Jungs haben mich oft sehr betroffen gemacht und ich bewundere die Sozialarbeiter und die Leiterin dieses Projektes, weil sie trotz vieler Tiefschläge nicht aufgeben. Ich habe für mich persönlich unheimlich viel aus dieser Zeit mitgenommen.

Da ich nur drei Tage arbeitete, hatte ich viel Freizeit – aber langweilig wurde mir in Kapstadt nie! Entweder unternahm ich etwas mit meinen Mitbewohnern oder traf mich mit Leuten, die ich aus der Zeit im Hostel in der Long Street kannte. Susanne von FSA lud mich auch immer wieder zu Treffen mit anderen Freiwilligen ein, sodass wir auch untereinander schnell Kontakt hatten und die eine oder andere gute Party miteinander feierten. Außerdem organisiert FSA bei Interesse auch Ausflüge. Ein absolutes Highlight war die “wine tasting tour” mit FSA. Es hat mir nicht nur unheimlich viel Spaß gemacht, Weine zu probieren, es war auch eine tolle Gruppe, super Weingüter und ein unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis!

Kapstadt ist perfekt für ein Praktikum oder Freiwilligenarbeit. Klar hat die Stadt Schattenseiten (man muss schon aufpassen, sonst die Handtasche geklaut; nachts muss man aus Sicherheitsgründen Taxi fahren,…Kriminalität ist einfach da), aber die Vorteile wiegen dies aus meiner Sicht weit auf. Man kann unheimlich viel unternehmen, die da ist bestimmt für jeden etwas dabei. Zum Beispiel:

Und es ist einfach eine tolle Atmosphäre in der Stadt. Außerdem ist es so einfach Leute kennenzulernen, weil die Menschen dort ganz entspannt und offen sind. Ich hatte eine unheimlich tolle Zeit in Kapstadt und der Abschied fiel mir sehr schwer. Von FSA fühlte ich mich stets gut betreut und war froh, zu wissen, dass ich mit Susanne immer eine Ansprechpartnerin hatte, falls ich mal Hilfe bräuchte. Eine super Sache, fand ich. In erster Linie hatte ich FSA zwar für die Vermittlung der Freiwilligenarbeit ausgesucht, aber man bekommt viel mehr, wenn man dort ist. Wer mag, hat sofort Kontakt zu anderen Praktikanten & Freiwilligen, hat sofort “Familienanschluss”. Ich kann einen Aufenthalt in Kapstadt mit First Step Abroad daher uneingeschränkt empfehlen. Außerdem ist so ein Aufenthalt eine einmalige Gelegenheit und tolle Erfahrung, von der man noch jahrelang zehrt. Da bin ich sicher. Ich bin seit ein paar Monaten wieder in der “Tretmühle Job”, aber ich habe viel aus Kapstadt mitgenommen -  versuche gelassener zu bleiben, auch wenn blöde Dinge passieren oder es stressig ist: In Kapstadt gibt es so viele Menschen, die gerne arbeiten möchten, aber keinen Job finden! Früher wäre ich auch niemals alleine verreist. Aber jetzt war ich gerade allein ein paar Tage in Paris – in Kapstadt hat das allein unterwegs sein gut geklappt, und ich habe gelernt, dass man überall allein hinfahren kann, weil man in Hostels immer Leute kennenlernt.

Ich denke ganz oft an die Zeit in Kapstadt und wünschte ich könnte das sofort wiederholen. Einziger Trost ist mein Plan, bald wiederzukommen. Zurzeit plane ich gerade eine Reise nach Kapstadt! Und vielleicht ergibt sich noch einmal die Gelegenheit für eine Auszeit. Dann mache ich ein Praktikum auf einem südafrikanischen Weingut… Susanne hat da gute Kontakte… J